Mittwoch, 17. Oktober 2012

Musterband E-415 Elisenhof: Imitation eines Brettchengewebes?


Seit ein paar Jahren beschäftige ich mich immer wieder mit Geweben deren Musterbildung durch Fäden entsteht, die während des Webvorgangs unabhängig von Schuß- und Kettsystem eingebracht werden.

Die 1981 von H.-J. Hundt zum Band E -415 publizierten Untersuchungsergebnisse habe mich auf die Idee gebracht ein Band sowohl als Technikstudie, wie auch als Designversuch anzufertigen.
Das Band ist auf 38 cm erhalten, die Breite von 2 cm verjüngt sich um Ende auf 1,5 bzw. 1,8 cm. Erhalten sind Kette und Musterschuß aus Wolle. Umgesetzt habe ich meine Idee: die Grundbindung erfolgte durch einen (vergangen) Schußfaden aus feinem Leinengarn.



Als Kette habe ich Wollzwirn Nm 28/2 verwendet, als Grundschuß Leinennähgarn gebleicht (Altbestand). Die Grundbindung (Leinwandbindung) wurde mit freien Litzen an einem Stab gewebt. Für den Musterschuß habe ich feine Wolle in zwei verschiedenen Rottönen (herkömmlich gefärbt) nach der Beschreibung im Artikel gesponnen und in Dreigruppen als Broschur eingebracht. Erste Versuch mit 2-Zwirn als Musterschuß ließen das Muster nicht plastisch hervortreten. Mit einem Musterschuß aus drei Fäden tritt die Broschur sehr plastisch hervor.

Die für den Randbereich am Band beschriebene Schnur wurde nicht mitgearbeitet.

Anhand der von H-J- Hundt gefertigten fadengetreuen Musterskizzen habe ich eine Musterfolge entworfen, die alle Motive wiedergibt. In der Mitte wiederholt sich die Anordnung in umgekehrter Reihenfolge. Das Weben erfolgte anhand einfacher Skizzen (Karopapier). Vor der Anfertigung des Bandes wurden alle Motive zur Probe gewebt und die Skizzen an einigen Stellen korrigiert.



Das fertige Band ist 106 cm lang und fällt leider einige Millimeter schmaler aus als die Vorlage.
Die Anfertigungszeit beträgt (als optimiert gerechnete Idealarbeitszeit) 16,5 Stunden reine Webzeit. Das Vorbereiten der Kette und das Spinnen der Musterfäden ist dabei nicht berücksichtigt.



H.-J. Hundt sieht eine Designverwandtschaft zu den in Birka gefundenen Bändern (in Brettchenwebtechnik), die er als „wikingische Webkunst“ bezeichnet.

Zur Verwendung vermutet H.-J- Hundt, dass es sich bei dem Band um eine „Stirnbinde“ gehandelt haben könnte, zudem nimmt er eine Herstellung und Verwendung des Bandes am Auffindungsort an.

Hier mein Vorschlag zur Trageweise:



Literatur:
Hundt, Hans-Jürgen: Die Textil- und Schnurreste aus der frühgeschichtlichen Wurt Elisenhof, Frankfurt am Main 1981 S. 73 ff


Dienstag, 9. Oktober 2012


Zurück von der Jahrestagung der EXAR
http://www.exar.org/html/deutsch/tagung_aktuell.html

Eine großartige Tagung mit interessanten Vorträgen und Gesprächen. Ich stelle hier - wie versprochen - das Abstrakt zu meinem Vortrag ein:

Illusion als Rekonstruktion
Geschichtsillustrierende Textilarbeiten zwischen Bildersturm, Materialrekonstruktion und Schaubude

Der Wunsch, eine bildliche und damit unmittelbar wirkende Veranschaulichung historischer Gegebenheiten zu schaffen, lässt sich bis weit vor die Herausbildung der modernen Wissenschaften an Hand zeitgenössischer Abbildungen aufzeigen. Verbildlichung, Illustration und rekonstruierende Darstellung bewegen sich an Schnittstellen zwischen Kunst, Wissenschaft, Pädagogik und - nicht selten - Politik. Im Designprozess werden in der Neuzeit überwiegend frei gestaltete Elemente mit Gegenständen der Sachkultur (archäologische Funde und anderweitig tradierte Relikte) zu einem Gesamtbild dekoriert. Die Gestaltung spiegelt den Kenntnisstand, die Positionierung und den Kontext der Bearbeiter - insbesondere dann, wenn ein Entwurf plastisch umgesetzt wird.

In Bezug auf organische Materialen tritt die Lückenhaftigkeit und Spärlichkeit der erhalten Objekte besonders deutlich zu Tage. Textilen sind jedoch - selbst bei minimal bekleideten Lebensbildern - richtungsweisend für den erzielten Eindruck. Ausgehend von den immanenten und klar formulierten Inhalten und Botschaften kann Rekonstruktion, ergänzend zur materialgetreuen und damit lückenhaften Wiederherstellung exponierter Gegenstände, nach Aleida Assmann als "Ausdruck eines neuen Verhältnisses gegenüber der Vergangenheit" gesehen werden. Aus diesem Blickwinkel betrachtet ist der Prozess der Visualisierung von Geschichte ein gestaltender Ausdruck im Prozess der Aneignung von Geschichtsbildern und Deutungen. Vielleicht bietet der Ansatz von Aleida Assmann, die Verschiebung im Verhältnis zwischen Zukunft und Vergangenheit in Bezug auf die Wandelbarkeit und das Auftauchen völlig neuer Episoden, eine Erklärungsmöglichkeit für die wachsende Szene unter dem Schwerpunktbegriffen Reenactment und Living History. Über historische Kleidung wird verbreitet eine Identifikation, vornehmlich mit der eigenen Vergangenheit, gesucht und in dieser (Laien-) Öffentlichkeitsarbeit ein selbstgewähltes Geschichtsbild vermittelt. Die wissenschaftliche Aufarbeitung dieses Phänomens steht erst am Anfang und soll nicht Gegenstand dieses Vortrags sein.

Im Vortrag soll ein Ansatz vorgestellt werden, Lebensbilder und geschichtsillustrierende Textilarbeiten als poietische, für einen bestimmten Vermittlungszweck geschaffene, Werke zu erstellen. Aufgezeigt werden sollen die einzelnen Schritte der praktischen Arbeit unter Betonung der geschichtswissenschaftlichen Quellenkritik und möglicher qualitativer Einschränkungen durch schlichte Sachzwänge. Als Methodenvorschlag wird die Möglichkeit aufgezeigt, Idealtypen nach Max Weber zu definieren und als Gestaltungsgrundlage zur Anwendung zu bringen. Das Anliegen ist die Erstellung von Idealrekonstruktion als Projektionsfläche für überkomme Gegenstände der Sachkultur. Deutlich abgegrenzt jedoch vom Entwurf einer linearen Entwicklungsline in der textilen Technik als positivistische Sichtweise.

Angerissen werden sollen in diesem Zusammenhang die Möglichkeiten, geschichtsillustrierende Textilarbeiten in die angestrebte Narration von musealen Präsentationen einzubinden. Textilen und Lebensbilder als (haptische) Illustrationen bergen das Potenzial, aktuelle Paradigmen der Forschung zu veranschaulichen und damit zu transportieren. Dabei ist jedoch zu beachten, dass es über den musealen Einsatz illustrierender Werke nicht zu einer Referenzlegitimierung kommt. Museumspräsentationen benötigen keinen kritischen Anmerkungsapparat, deshalb können mit großer Stringenz überholte Anschauungen weitergetragen werden. 

Der Fernsehdokumentarismus bedient sich, wie auch auf historische Identität basiertes touristisches Marketing, nicht nur der Beratungstätigkeit von Museen als Schnittstelle zur Öffentlichkeit. Lücken in der Illustration - oder die Verweigerung der Visualisierung - bieten eine Projektionsfläche, die gefüllt wird. Zu fragen wäre von wem und mit welchen Inhalten.

Sylvia Crumbach Oktober 2012, alle Rechte vorbehalten

Mittwoch, 26. September 2012

Nachlese 2012 Teil 1


Textil-Tag und Modenschau zur Ausstellung: "Frauen und Mode"
Bibracte

Die vom Belginum-Museum unter Leitung von Frau Dr. Cordie konzipierte Ausstellung "Spannende Geschichte(n) - Frauen und Mode" ist zur Zeit im Bibracte-Museum zu sehen. Eine weitere Station hatte die Ausstellung im letzten Jahr im Museum Kastellaun.
Derzeit sind Kleidungsentwürfe ausgestellt, die von Marled Mader und mir gefertigt worden sind. Unter anderem mein Entwürf zur HEK-Kleidung mit großen Schläfenwendelringen (Metallschmuck von Sebastian Krieger).



Für die Präsentation zur Eröffnung habe ich das Ensemble HA D nach einem Fundkomplex aus der Nähe von Sigmaringen aufpoliert, das im letzten Jahr in der Völkinger Hütte als Teil der Ausstellung "Die Kelten, Druiden, Fürsten, Krieger" zu sehen war. (Metallbestandteile gefertigt von Sebastian Krieger)



Hier ein weiterer Bericht zur Tour nach Frankreich:

Glauberg Museum

Eine weitere Veranstaltung, die mir besonders gut gefallen hat, war der Aktionstag "Im Zeichen des Schafs"
Im Konzept enthalten waren sowohl Hütevorführungen, wie auch modere Textilkunst und Kulinarisches. Sehr nett war die Nachbarschaft mit dem Team von Grubenhaus:

"Tierische Begeisterung fürs Brettchenweben"



Ein Teil der Textil-Präsentation


 

Mittwoch, 1. August 2012

Werkstatt

Seit einigen Wochen habe ich eine eigene Werkstatt. Nur für mich, die Textilen und was sonst so alles gebraucht wird.

Hier ein paar Eindrücke:




Donnerstag, 26. Juli 2012