Dienstag, 26. Juli 2016

Rezension

Rezension: Zurück zu unserem Cheruskerhof !  Anschauliche „Kulturhöhe“ im Germanengehöft auf dem Barkhauser Berg, Oerlinghausen


Martijn Eickhoff (NL) hat für das EXARC-Journal eine Rezension zu meiner veröffentlichen BA-Arbeit geschrieben. Vielen Dank dafür:

http://journal.exarc.net/issue-2016-2/mm/book-review-zuruck-zu-unserem-cheruskerhof-sylvia-crumbach

Zu beziehen ist das Buch hier:

http://weltunderde.com/b%C3%BCcher/kleine-werke-zur-arch%C3%A4ologie/band-1-sylvia-crumbach/

Dienstag, 19. Juli 2016

Fehlerberichtigung zum Aufsatz "Brettchenweben - eine vielfältige Technik"



Fehlerberichtigung zum Aufsatz "Brettchenweben - eine vielfältige Technik" im Ausstellungskatalog "Bunte Tuche - gleißendes Metall"

Liest man einen Text mit Abstand, fallen Fehler ins Auge (die auch beim hundertsten Lesen zuvor scheinbar nicht vorhanden waren).
Auf Seite 78 habe ich meine Interpretation des Brettchengewebes Inv. Nr. 89.870 (Band 3) aus Hallstatt als 2-Lochgewebe vorgestellt. Das 2005 publizierte Foto des Gewebes legt diese Interpretation nahe. K. Grömer stellte auf Tafel 15 ein weiteres Mal ihren Webbrief auf der Basis eines schnurbindigen Einzugsmusters mit 4 Fäden pro Kärtchen vor (grömer 2005, 84-85).
Die Interpretation als 2-Lochgebe mit Brettchen vereinfacht den Webprozess, denn einfache Rauten wie bei diesem Band lassen sich frei weben. Eine Anleitung wird für einfache Rauten nicht benötigt, da in der Musterbildung diagonale Linien weitergeführt werden.
Das Muster läßt sich mit 12 Musterkärtchen zuzüglich Randkärtchen umsetzen - leider hat sich im Text die falsche Angabe "16 Kärtchen" eingeschlichen.

In der Subzeile des Webbrief von Chris Wenzel auf der Basis meiner technischen Ausarbeitungen findet sich die Angabe 12  Musterkärtchen. Für die Übersetzung meiner technischen Skizze in einen Webbrief mit Vor- und Rückdrehungen ist Chris Wenzel als Mitautorin für den Artikel genannt.
Das Einrichten der Kette und der Webvorgang erfolgt nach meiner Beschreibung im Text.

In den letzten 10 Jahren sind sehr viele wunderbare Bänder nach der Anleitung entstanden.

Es hat mich sehr gefreut  zu lesen, dass L. Raeder-Knudsen den Musterbereich des Bandes als 2-Lochtechnik interpretiert (die Randkärtchen sind mit 4 Fäden bezogen). K. Grömer weist auf diese Mitteilung hin (grömer 2009, 135).

Das Fragment ist ein faszinierendes Gewebe, dass durch des Farbschattierungen im Musterbereich einen besonderen Reiz hat.
Die Musterbildung in diagonalen Linien ermöglicht nach kurzer Einarbeitung ein freies Weben ohne Anleitung und bildet einen guten Einstieg in die Technik.
Weitere Gewebe in 2-Lochtechnik werden im Zinnmäander und weiteren Bändern vom Fundort Hochdorf/Ens gesehen.

Kurt Laitenberger entwickelte eine eingängige Beschreibung der Technik, die ich leider erst entdeckt habe nachdem ich mir das Weben mit 2 Fäden pro Kärtchen auf der Basis des Zinnenmäanders selbst angeeignet hatte.
 
 Der Musterbereich für das Gewebe 3 Hallstatt sieht in der technischen Skizze nach K. Laitenberger so aus:



Duisburg 18.7.2016, Sylvia Crumbach


Literatur:

Crumbach, S., Wenzel, C.: Brettchenweben - ein vielfältige Technik. In: Keltenmuseum Heuneburg (Hrsg.): Bunte Tuch - gleißendes Metall. Frühe Kelten der Hallstattzeit, Herne 2007, S. 69-78.

Grömer, K.: Tablet-woven Ribbons from the prehistoric Salt-mines at Hallstatt, Austr5ia - results of some experiments. In: Bichlerm P., Grömer K., Hofmann-deKeijzer, R. (Hrsg.): Hallstatt Textiles; Technical Analysis, Scientific Investigation an Experiment on Iron Age Textiles, Oxford 2005, 81-90.

Grömer, K., Stöllner, T.: Ein abgerissener Ärmel aus dem Salzbergwerk Dürrnberg - Neue Erkenntnisse zur Brettchenwebtechnik in der Eisenzeit in Mitteleuropa. In. Jahrbuch des Römisch-Germanischen Zentralmuseums 56, 2009, 105-157.





Montag, 18. Juli 2016

Rückblick und ein Brettchengewebe aus Altrier



"Neue" Brettchengewebe und ein Blick zurück

Vor mehr als 10 Jahren habe ich mich für die Textilen der späten Hallstattzeit begeistern lassen. Zu den Höhepunkten gehörte die Ausstellung "Bunte Tuche - gleißendes Metall. Rekonstruktionen zum Leben früher Kelten.", die vom 25.5 bis 1.11.2006  im Keltenmuseum Heuneburg gezeigt wurde. Die Ausstellung entstand unter wissenschaftlicher Leitung von Sabine Hagmann in Zusammenarbeit mit dem Laien-Projekt "Hallstattzeit".  2007 erschien im Verlag VS-Books ein Aufsatzband unter demselben Titel. 2008 wurde ein Vortrag zu den Arbeiten der Textilgruppen im Projekt "Hallstatt" für die NESAT-Tagung in Kopenhagen angenommen. Neben den für die vorgenannte Ausstellung gefertigten Textilen durfte ich meine Brettchengewebe als Umsetzung der auf den sog. Daunischen Stelen abgebildeten Textilen vorstellen. Jens Nieling hat zu das Projekt wissenschaftlich begleitet.

Viel Freude hatte ich an der Anfertigung des Männer-Kostüms für das Niederösterreichische Museum Asparn an der Zaya und einiger kompletter Kostümausstattungen für das Museum Hallein. Bei der Übergabe der Kostüme in Hallein durfte ich Herrn Dr. Zeller kennenlernen. Ein wichtiger Nachmittag für meine weitere Arbeit.


"Neue"  Brettchengewebe
Textil 3
Altrier (LUX) Analyse der Textilen aus der Grabung von 1971
La Tené A (ca. 430 vor Chr.)

Die Umsetzung erfolgte als Brettchengewebe in Köpertechnik mit einem ausgelassenen Einzug. Material Wolle Nm 20/2 pflanzengefärbt. Das geometrische Muster auf dem erhaltenen Fragment erinnert stark an die Design-Elemente der in Hochdorf/Enz geborgenen Fragmente von Brettchengeweben. Das kann den speziellen  Eigenschaften der Musterbildung bei Brettchengeweben auf der Basis diagonaler Linien geschuldet sein, oder auf eine räumlich und zeitlich weiter zu fassende Verbreitung dieser Design hindeuten.



Literatur:
Rast-Eicher, A.; vanden Berghe, I.: Altier(LUX): A fresch look at the textiles. In: Grömer, K.; Pritchard, F. (HRSG): Aspects of the Design, Produkticon an Use of Textiles and Clothing from the Bronze Age to the Early Modern Era- NESAT VII, Budapest 2015, 117-124.



Dienstag, 6. Oktober 2015

Posterpräsentation EXAR 2015

Bei der EXAR-Tagung auf der Saalburg 2015 habe ich zusammen mit Thorsten Seifert ein Poster zum  "Flügelhauben-Projekt" vorgestellt. (Foto Bernd Gaul)
 
Eine Motivation für mehr Bronzezeit !


Das Tagungsprogramm findet sich hier:



Beflügelnde Damenkleidung?
 

Konstruktionsvorschläge zu bronzezeitlichen "Flügelhauben" der Lüneburger Gruppe.

 

Im Gegensatz zu den vielfach reproduzierten Kostümen nach Vorlagen aus Skandinavien, haben auch prägnante Stücke wie die sog. "Flügelhaube" wenig Eingang in das populäre Bild der Bronzezeit gefunden. Den zeichnerischen Rekonstruktionen folgten bislang nur sehr wenige Versuche einer praktischen Umsetzung. Von den nach Funden und Befunden als Kappen mit seitlich abstehenden "Flügeln" mit Metallbesatz visualisierten Kopfbedeckungen sind bis auf wenige Fragmente keine Konstruktionselemente aus organischem Material erhalten geblieben.

 

                                                       

    Konstruktionsvorschlag: Sylvia Crumbach (2015)            
    Metallarbeiten: Thorsten Seifert                                       











Konstruktionsvorschlag: Thorsten Seifert (2012)
Modell: Lena Pavlova
Foto: Gabi Schiefke
 

 
 
 
 
 
 
Vorgestellt werden zwei verschiedene Konstruktionsmöglichkeiten, denen die Fragestellung zugrunde liegt mit welchen zeitgenössisch verfügbaren Materialen sich die Kopfbedeckungen in der zeichnerisch dargelegten Gestaltung praktisch Umsetzen lassen.


 
Konstruktion aus Rohhaut, vernäht                                               
Wollgewebe (Heidschnucke)                                                     
Leinenwandbindung ( ca. 6 Fäden/cm)                      
Die Bronzeelemente sind mit Leinengarn angenäht.





Material: Wollstoff, gewalkt
Futtermaterial: Leinen
Die Bronzeelemente sind mit Leinengarn angenäht.


 
    
 
 
Zur Diskussion gestellt werden soll die Plausibilität der Konstruktionen.

Zum einen Hinsicht auf verwendeten Materialen, zum anderen in Bezug auf die

Nutzbarkeit der Ergebnisse

 

Geschichtsillustrierende Kostüme sind in der populären Vermittlung zu einem bestimmenden Faktor geworden. Hat eine schlüssige Konstruktion und die damit verbundene Möglichkeit einer vielfältigen Visualisierung der Bronzezeit das Potenzial neue Akzente zu setzen?

 

Sylvia Crumbach B.A., Friedenstr. 30, 47053 Duisburg, s_crumbach@gmx.de

Thorsten Seifert, Radstr. 9, 63814 Mainaschaff , Thorstenseifert@gmx.de

Donnerstag, 3. September 2015

Männer-Sache Bronzezeit

Vorstudie in Textil: Männerkleidung

Um auszuprobieren, wie Mantel und Wickelkittel aus einem Stück Stoff kommen, habe ich diese Probestücke gemacht. Die Wolle ist von einer schnöden Landschafrasse in naturschwarz mit Grannenhaaren. Die für Strickwaren gesponnene Wolle ist nachgedreht (Winkel ca. 55°) um so ein stabiles Kettgarn erhalten. Der Schußfaden wurde belassen (ca. 30°). Der Stoff hatte eine Breite von 82,0 cm und eine Länge von 610,0 cm. Gewaschen und in der Mitte vernäht hatte mein Texttuch 160,0 cm x 300,0 cm. Diese Maß habe ich aus der Kombination von Wickelkittel und Ovalmantel errechnet. Verbraucht wurden ca. 3,2 kg Wolle.
Da mein Ausgangsmaterial entfettet ist, war es notwendig die Kanten zu säumen.
Es liegen zwei erhaltene Stücke vor. Um den Kittel an eine heutige Person anzupassen wurde die Schnittpläne beider Vorlagen kombiniert.



Fazit: Der Wickelkittel lies sich ohne viel Aufwand aus den Abschnitten des Ovalmantels fertigen. Der von Karl Schlabow beschrieben Fadenlauf entsteht durch eine optimale Ausnutzung des Materials. Ist der Träger schlank und grade gebaut, sitzt das Kleidungsstück recht gut (das Modell hat Fotos verweigert). Keine "Schneiderkunst", sondern Restverwertung.

Da ich meine erfahrene Weberin bin, habe ich die Arbeitszeit nicht dokumentiert. 

Was ich kann:  Kleine Dinge

Der Gürtel wurde aus Gotlandschafwolle gewebt. Das Muster entsteht durch die unterschiedliche Spinnrichtung des Garns. Die Enden sind mit Bergschafwolle umwickelt.
Bindungsart: Kettrips.


Mit einer Anfertigungszeit von ca. 7 Stunden - einschl. Spinnen (ohne Wollvorbereitung) - ist dieser einfache Gürtel keine anspruchsvolle Arbeit.


Freitag, 31. Juli 2015

Steinzeit - Kostüm?



Rolling Stoneage?

Kostüme – Geschichtsillustrierende Textilen – bleiben weiter mein Thema.
Insbesondere im Rahmen von Epochen, für die Nachweise von Kleidung mehr als spärlich sind, haben Kostüme kaum mehr als die Chance eine angenehme Dekoration zu sein. Also praktisch: das Bild bei Vorführungen zu ergänzen.

Für diesen Zweck entstand ein „sommerliches Kostüm“, das ich mehrfach gezeigt und benutzt habe. Im Rahmen meiner (kritischen) Artikel zum Kostüm-Thema sind die Sachen dann dezent in einer Kiste verschwunden.



Einen neuen Anlauf gab es bei Recherche und Planung zu einigen nachgefertigten Anschauungsstücken, die im Rahmen der Ausstellung „Revolution Jungsteinzeit“ im Bereich Museumspädagogik benötigt werden. Die Ausstellung wird ab 5.9.2015 im Rheinischen Landesmuseum Bonn gezeigt.
Angefordert waren Ketten, Gürtelbänder aus Leinen und eine mit Schneckenschalen verzierte Haube.






Eine gute Gelegenheit für neue Kostümgedanken.

Ergeben hat sich dann folgendes:



Kette mit Fischwirbeln , Tonperlen (meine ersten hübschen Tonerzeugnisse – Danke an die Ton-Spenderinnen) und Bernstein.
Haube mit Schneckenschalen  (diese entsprechen nicht der seltengeworden Art, die eigentlich richtig wäre – es sind schlichte Urlaubsandenken aus Übersee)
Material: Leinen, Ledergürtel

Aufnahmen von heute weniger dekorativ auf der Terrasse vor der Werkstatt.

Link zur Ausstellung: 

Dienstag, 26. Mai 2015

Thorsbergmantel


Mantel im "Thorsberg-Design"

Teil 2: Kulisse, Kostüm oder Einzelstück - Was tun mit dem Thorsbergmantel?

 

Nach längerer Pause nun Teil 2 der Micro-Serie. Es soll hier um ein paar Ideen gehen: Was tun mit dem Textil und mit den "Erkenntnissen" aus der Herstellung (siehe http://archaeotechnik-crumbach.blogspot.de/2015/01/prachtmantel.html). Zum einen habe ich natürlich das getan, was heute fast unvermeidlich ist: Fotos, Fotos und Fotos um zu zeigen, was ich nun wieder gewebt habe.


Einen großen Teil meiner Präsentationen für Museen basiert auf einem (der gewünschten Epoche angepassten) Info-Stand zur Herstellung von Textilen. Neben diversen Arbeitsproben und Geräten, meinem Gewichtswebstuhl und verschiedenen Anschauungstafeln und Geräten sind eigentlich immer "ganze" (also ergänzte) Kostümbestandteile dabei. Diese können herumgereicht, auch gern mal "anprobiert" werden. Zum Glück sind alle Stücke waschbar, Unfälle mit Schlumpfeis und Sonnenöl hatten meine Schaustücke bisher nicht. Ein Einsatz für meinen Mantel ist also meine "Show-Sammlung" zu ergänzen (edit: zumindest ein kleine Weile).
Eine weitere Aufgabe ist natürlich Werbeträger zu sein. Ich fertige und verkaufe Textilen.
Was mir am meisten am Herzen liegt sind, neben den Textilen selbst, Bilder von Textilen. Genauer: Bilder von Kostümen. Das ist die eigentliche Leitfrage für diesen Eintrag.

 

Schon kurz nach Auffindung wurden durch R. Stettiner der Begriff "Prachtmantel" für die Gewebefragmente mit brettchengewebten Kanten verwendet. Eine erste und nachliegende Idee wäre also die Kombination "Textil und Moortümpel"

In diesem Fall ein Stauteich an der A3 bei Duisburg und mein nachgearbeitetes Textil im
Schein der Märzsonne:


 
Sobald ich das Textil zu einem Kostümbestandteil mache, kommt mein Mann ins Spiel.
Hier mit Kostüm an der Kupferhütte in Duisburg Hochfeld:

 

Mann und Hintergrund werden Teil einer Inszenierung. Jedes Foto, jede Pose trägt zum Eindruck beim Betrachter bei (und spiegelt letztendlich meinen Stil, also meine eigene Einstellung, zu Kostümen).

 

                                    Klassisch als Bestandteil einer Krieger-Inszenierung:


 
                                                               Oder eher nachdenklich:

 


 
Die Auswahl der Bilder spiegelt ohne ein weiteres Wort meine Vorstellung von Kontext und
Epoche. Meine Vorstellung ist geprägt von ca. 100 Jahre Rezeption und Rekonstruktion um einen bedeutenden Textilfund aus Ostholstein, wobei Thorsberger-Moor allein schon üppigere Assoziationen weckt als "Feuchtgebiet bei Süderbrarup". So ist mein liebstes Bild aus der Serie ein sehr friedliches geblieben:


 
 
           Austausch und Diskussion herzlich willkommen!