Mittwoch, 14. Februar 2018

Masterarbeit zu Textilien der älteren Bronzezeit



Was die Beschäftigung mit der Vergangenheit angeht, habe ich zwei Liebeleien: Textilien und Forschungsgeschichte. Das große Thema für mich im letzten Jahr war meine Masterarbeit. Mit meinem Studium habe ich mir einen großen Traum - eigentlich einen Kindheitstraum - erfüllt (wenn auch in der Realisation mit deutlich weniger Dinosauriern als damals dabei sind). Und mit etwas Glück geht es weiter - noch immer und immer besonders gern an der Fernuniversität Hagen.

Ein Artikel als Zusammenfassung der Arbeit ist derzeit in redaktioneller Bearbeitung. Das Titelbild hat mein lieber Freund Nils Broß gezeichnet. Es fängt den Inhalt fast besser ein als viele Worte.

An dieser Stelle möchte ich Menschen danken die mich immer wieder unterstützt, mein Chaos ertragen und gelegentlich ein Steak gebraten haben. Ganz besonders danke ich Maren Hasert für das geduldige Korrekturlesen meiner verheerenden Rechtschreibung und Karl Banghard für Begleitung auf dem Weg von der geschichtsinteressierten Bauhandwerkerin zur Kulturwissenschaftlerin im Museumsdienst. Weil mein Mann mein Held ist, kommt dieses Posting am Valentinstag.

Um nicht zu vergessen, wo ich herkomme, ist diese Arbeit in Dankbarkeit und liebevoller Erinnerung 
Helene Klang, geb. Runge, und Vera Schönwitz, geb. Arndt gewidmet. 




Realien und Rezeption
Textile Artefakte der älteren Bronzezeit als Ikonen eines "goldenen Zeitalters"

Diese Verbindung charakterisiert aber die Vorgeschichte durchaus:
Als Naturwissenschaft gewinnt sie ihre Resultate,
als Geschichte verwertet sie sie;
einerseits ist sie ein Zweig der Geologie,
andererseits ein Stück Geschichtsforschung.

Friedrich Ratzel 1874


In den 1880er Jahren wurden in Dänemark mehrere sehr gut erhaltene Grabmonumente untersucht. Die Bergung der Funde und Beobachtungen der Befunde spiegeln Möglichkeiten und Methoden der Vorgeschichtsforschung während der Ausbildung als moderne Wissenschaft. Einzigartige Erhaltungsbedingungen ließen organisches Material und textile Artefakte die Zeiten überdauern. Erstmals wurden Kleidungsstücke zum Forschungsgegenstand. Mit Veröffentlichung der Inventare fanden Entwürfe von Lebensbildern und lebendige Beschreibungen der Verstorbenen Verbreitung. Die Verbindung von "Tracht" und "Kultur" wurde mit Zeichnungen illustriert, die auch heute anschaulich und zeitlos wirken. Als Goldenes Zeitalter gewürdigt, bildete die Bronzezeit beinahe einen Sehnsuchtsort für die deutsche und dänische Vorgeschichtsforschung.


Darstellungen vor- und frühgeschichtlicher Menschen waren im ausgehenden 19. Jahrhundert verbreitet und dem Publikum vertraut. Historienmalerei, Illustrationen überlieferter Schriftquellen und Umsetzungen historischer Stoffe im Theater hatten eigene Traditionen gebildet und Vorstellungswelten geprägt. Die Darstellungen zur älteren Bronzezeit heben sich jedoch von zeitgleichen Illustrationen ab. Zum einen durch die materielle Basis hervorragend erhaltener Artefakte, zum anderen durch sachliche Ästhetik der Figuren. Die Entwicklungstraditionen wissenschaftlich fundierter Lebensbilder scheinen mit diesen Illustrationen den Anfang zu nehmen.

In dieser Arbeit soll der Entstehungskontext dieser "neuen Bilder" nachgezeichnet und die Rezeption der Bedeutungszuweisung anhand von Beispielen untersucht werden. Im Zentrum stehen die Artefakte mit den Auffindungsumständen und Inventaren der Bestattungen von Muldbjerg (1883), Trindhoej (1861) und Borum Eshoej (1875). Als herausragende und in der Erhaltung singuläre Funde beschrieben, fanden die textilen Artefakte Eingang in beinahe alle Darstellungen der der Vorgeschichte seit den 1880er Jahren. Die Auswahl der verwendeten Quellen kann nur einen Ausschnitt aus der publizistischen Tätigkeit spiegeln. Für die Anfangsjahre ist es problematisch zwischen fachwissenschaftlicher Literatur und populären Veröffentlichen zu trennen. Sowohl deutsche wie auch dänische Veröffentlichungen wendeten sich implizit gleichermaßen an interessierte Bürger und Spezialisten. Eine Ausweitung der Quellenbasis erfolgte über Zitierkreise, Widmungen und Bezüge (z.B. auf Lehrer und Förderer). Viele dänische Veröffentlichungen erschienen zeitnah in deutscher Übersetzung. In der deutschsprachigen Literatur wurden häufig Werke in dänischer Sprache zitiert. Um den Entstehungskontext einordnen zu können, wird die Perspektive der dänischen Vorgeschichtsforschung einbezogen und anhand der Forschungsliteratur aufgezeigt.

In den letzten Jahren sind Lebensbilder und deren historische Entwicklung zum Gegenstand einiger Untersuchungen geworden. Die Illustrationen der älteren Bronzezeit werden entweder eingereiht, oder als Basis sachlicher "moderner" Lebensbilder gedeutet. In dieser Arbeit wird zum einen die Frage gestellt ob die textilen Artefakte vollständig und den Befunden entsprechend in die Illustrationen übernommen wurden. Zum anderen gilt es Anhaltspunkte zu finden, ob die Abbildungen in ästhetischer Hinsicht ein Gegenbild zur Antikenrezeption  darstellen könnten. Die stereotype Wiederholung der bildlichen Darstellungen in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, bis hin zur fast schablonenhaften Nachbildung von Kostümensembles, soll anhand von Beispielen beleuchtet werden. Anhand des Material aus der Rezeptionsgeschichte soll versucht werden zu klären, ob sich im Bildprogramm oder in den visualisierten Normen Gründe für enorme Bezugnahme, selbst in der Theoriebildung, finden lassen. Anhaltspunkte sind dabei zum einen die Tradierung der Trageinterpretationen und die Bedeutungszuweisung daran und zum anderen die Sicht auf die Eliten der älteren Bronzezeit als Träger eines nordisch determinierten Ideals.

Der Focus dieser Arbeit liegt auf den Illustrationen von S. Müller aus dem Jahr 1897 und Karl Jensen (publiziert durch W. Dreyer) aus dem Jahr 1899. Die Werke bilden eine Auswahl von textilen Artefakten aus Bestattungen bronzezeitlicher Eliten ab, zugleich wurde eine Trageweise vorgestellt. Die Figuren erscheinen zeitlos und unterscheiden sich grundlegend von anderen zeitgenössischen Darstellungen der heimischen Vorgeschichte, nicht jedoch von hellenistischen Bildwerken. Die Kenntnis dieser Bildwerke kann im bildungsbürgerlichen Kontext für den Untersuchungszeitraum vorausgesetzt werden. Die "nordische Bronzezeit" stellte ein verbreitetes und vielfach akzeptiertes Gegenbild zur klassischen Antike dar.  Die ältere Bronzezeit wird zu einer mutmaßlich erhabenen Epoche stilisiert, charakterisiert durch einen in sich geschlossenen Kunststil, der aus sich selbst heraus entstand. Möglicherweise kann über das Gegenbild zum Antikenideal in Gestalt der idealisierten älteren Bronzezeit die Brücke zur Antikenrezeption im Nationalsozialismus über die dem Bildungsbürgertum vertrauten ästhetischen Ideale geschlagen werden. Es geht in dieser Arbeit nicht darum die Anbindung der älteren Bronzezeit an einen in die Urgeschichte verlängerten Germanenmythos aufzuzeigen. Dabei ist der Verfasserin dieser Arbeit bewusst, dass sich das "Germanenproblem" kaum von der Vorstellung einer Nordischen Kulturhöhe abgrenzen läßt. Verfolgt werden sollen die Bilder und Spuren eines Nordischen Ideals als Ausdruck überlegenen und überzeitlich gedachten, sich erstmals in der älteren Bronzezeit bahnbrechenden, "Herrenmenschentums".

Es soll versucht werden die Selbstsicht in Anbindung an eine frühe und epochenprägende Elite nachzuzeichnen. In der nationalen bürgerlichen Bildungstradition verhaftet und von ihren Protagonisten vertreten, überstrahlen die Lebensbilder jede "erdnahe" Suche nach archäologischen Hinterlassenschaften realerer Vorfahren. Sie sind möglicherweise wissenschaftlich fundiert gedachte Leitbilder auf dem Weg von der als "Nordisch" gedachten Urheimat zum "Neuen Menschen" der NS-Ideologie auf dem Weg in den totalen Krieg.


Inhaltsverzeichnis


1. Vorwort                                                                                                                          1

2. Position, Forschungstand, Terminologie und Konzeption                                         3
           
            2.1 Quellenauswahl und Begriffsverwendung                                                         4
           
            2.2 Konzeption: Darstellung und Interpretation textiler Artefakte                          6
                  und Wirksamwerden von Deutungen

3. Bildwerke schaffen: Artefakte und frühe Veröffentlichungen                                 7

            3.1 Grabhügel und Baumsärge: Entdeckungsumstände, Funde und Befunde        8
                        3.1.1 Trindhøj A (1861: Eine Männerbestattung                                         10
                        3.1.2 Borum Eshøj (1871/1875): Eine Frauen- und                                     11
                                 zwei Männerbestattungen
                        3.1.3 Muldbjerg (1883): Eine Männerbestattung                                         12
                        3.1.4 Weitere Fundorte mit Erhaltung von organischem Material               13

            3.2 Bildwerke: Erste Veröffentlichungen und Illustrationen (1875-1899)              13
                        3.2.1 Sophus Müller: Nordische Altertumskunde (Band 1)                         14
                        3.2.2 Waldemar Johan Dreyer: Nordens Oldtid                                          15
                        3.2.3 Vilhelm Christian Boye: Fund af Egekister fra Bronzealderen          15
                                 i Danmark, Band 1 und 2
                        3.2.4 Abbildungen als Dekoration und Illustration von Inhalten                16

            3.3 Textile Artefakte im Bild: Auswahl und Deutung als Kleidungsstücke                       19
           
            3.4 Menschen im Bild: Verkörperung der Eliten                                                     22
           
            3.5 Lebensbilder als Kulturausdruck oder Kulturabbild?                                        26

4. Ikonen des "goldenen Zeitalters" im Norden: Geschichtlichkeit der Nation und    28
    Bildungsverständnis zwischen "nordischer" Bronzezeit und Antikeideal
           
            4.1 Altertümer in Dänemark und Deutschland:                                                       29
                  Volksbildung und Nationalbewusstsein
           
            4.2 Sachlichkeit produzieren:                                                                                   36
                  Bilderwelten aus einem neuen Wissenschaftsverständnis
           
            4.3 Gegenpol oder Orientierungshilfe?                                                                    40
                  Klassische Antike und "nordische Kultur"
           
            4.4 Ausdrucksformen des nationalen Wertekanons                                                 45
           
            4.5 Gefangen in einer Nussschale:                                                                           48
                  Das "Goldene Zeitalter" der nationalen "nordischen Archäologie
                  stellt sich das "goldene Zeitalter" der älteren Bronzezeit vor

5. Nationale Wissenschaft in Deutschland: Rezeption von Idee und Bild                     52

            5.1 Nordische Kulturhöhe zwischen Wissenschaft und Sehnsucht                         54
           
            5.2 Germanen für Deutschland                                                                                57

            5.3 Protagonisten in Wissenschaft und Vermittlung                                                           61

6. Rezeption als Aneignung: Beispiele aus Theoriebildung und Vermittlung              67
    während der NS-Zeit

            6.1 Kleidung der älteren Bronzezeit als Urform: Trachtenforschung                      71
                  in der NS-Volkskunde
           
            6.2 "Nordische Bronzezeit" mit wissenschaftlicher Beratung:                                73
                   Umzug Grunewald und Sportfest Neumünster
            6.3 Das Egtved-Mädchen als bronzezeitliche Sportkameradin                               75        
            6.4 Bronzezeit und SS-Ideale                                                                                             76        
            6.5 Aus Realien sollen Realitäten werden                                                               77        
7. Fazit: "Goldenes Zeitalter" und "Neuer Mensch":                                                   79
               Projektion bürgerlicher Perfektion in die Vergangenheit
                und für die Zukunft


 8. Abbildungen                                                                                                                  81

 9. Literaturangaben                                                                                                        125

10. Abbildungsverzeichnis                                                                                               146

11. Versicherung                                                                                                               152


Literaturliste gern auf Anfrage.
Über Rückmeldungen und Diskussion freue ich mich.

Sonntag, 2. Juli 2017

Wikinger und Westslawen - die Kleidungsfrage




Kein Bild von der "civitas magna Slavorum" verfügbar?

Eins haben sowohl "Wikinger" wie "Westslawen" gemeinsam: keine, bzw. wenig, eigene Überlieferung in Bild und Schrift. Chronisten aus geistlichem und (entsprechend seltener) weltlichen Kontext begegneten der fremden Welt mit verschieden Intensionen und Aufgaben. Diesen wiederum stellen sich heute Wissenschaftler mit Werkzeugen der Quellenkritik. Ihren Ergebnissen liegen Forschungsfragen zugrunde, die oft nicht die Erwartungen und Wünsche der Kostümrecherche für Illustrationen und/oder Living History treffen (und treffen können).  Trotz wertvoller Hinweise entsteht die Welt der materiellen Kultur aus Funden/Befunden mit unintendierter und zufälliger Überlieferung. Und diese Welt entsteht ständig neu, da Forschung und Interpretation permanent (auch an Wochenenden) stattfindet. Darüber hinaus lassen sich aus dem Speichergedächtnis, den Assmanns sei Dank, wissenschaftliche Ergebnisse, Bilder und Programme der letzten ca. 150 Jahre abrufen. Dieses Angebot, oder auch Überangebot, ist kaum überschaubar.  

Je häufiger ein Bild gezeigt wird, desto vertrauter wird es. Durch mediale Bilderflut erscheinen "Wikinger" lebensnah in historischer Wahrheit. Schalenspangen als "Trachtschmuck" bilden fast ebenso vertraute Marker wie Trägerkleider mit großflächigen Stickereien und einem erstaunlichem Maß an Brettchengeweben. 

Aber wie sieht es eine knappe Autostunde von Haithabu entfernt aus?
Zum Beispiel in der "civitas magna Slavorum" - Oldenburg in Holstein?

Bleiben wir einen Moment im mutmaßlich sicheren Hafen - bei den Hafenfunden von Haithabu. Eine Fülle wunderbarer Textilen - aber von wem eigentlich? Inga Hägg sieht die Stoffreste in enger Beziehung zu den Bewohnern der Siedlung - von Kaufleuten und Handwerkern [1]. Ohne die ethnische Deutung des Fundkomplexes scheint es kaum möglich Fragment für Fragment auf mutmaßliche Wikinger, Slawen  (noch aus Reric???) oder gar Personen aus dem Rheinland (?) aufzuteilen. Verkürzt, wie es für populäre Darstellungen kaum anders möglich ist, wird aus Fragment 22 A-C[2] dann schnell eine Wikingerhose. Das soll nicht die Freude darüber trüben in Anbetracht der spärlichen Überlieferungslage für Textilen überhaupt eine Hose zu kennen. Mechthild Müller erkennt eben diese auf verschiedenen zeitgenössischen Abbildungen bildlich dargestellt für völlig andere Kontexte und Personengruppen[3].

Was ist das Eigene im Fremden?
Joachim Herrmann scheint völlig seiner Zeit und den Forschungspradigmen der DDR verpflichtet [4]. Es ließ sich ein wunderbares und geschlossenes Bild gewinnen, wunderbare Textilfunde aus dem "Osten" schienen integrierbar - ein Bild, das sich leider in meinen eigenen ersten (Laien-)Aufsätzen aus den 1990ern farbenfroh spiegelt. Wer heute in die Thematik einsteigen möchte, kann anders starten. Einen Überblick zur "Archäologie der westlichen Slawen" stellte 2008 Sebastian Brather vor (2. Auflage). Ein guter Start zur Suche nach den überlieferungsbedingt spärlichen textilen Spuren. Vielleicht ist dabei Zeit für einen kleinen Umweg über Bornholm, für das Magdalena Naum im 2008 erschienenen "Homelands lost and gained" auf die Möglichkeiten eingeht Migranten aus Holstein anhand ihrer Grabbeigaben auszumachen.
Zu den spärlichen zeitgenössischen Frauenabbildungen gehört das kleine Figürchen aus Briest[5], grobe Umrisse von Männern, wie die Bildplatte aus Altenkirchen, Kreis Rügen, sind etwas häufiger. Während das Bild von Kontur und Idealbild verschwommen bleiben muss, jedenfalls was die Kleidung angeht, liefern textile Artefakte Details. Gelegentlich tun das auch Artefakte aus Leder, wie z.B. der hervorragend erhaltene Schuh aus Schardorf, Kr. Plön [6] oder Werkzeuge zur Textilproduktion wie Webgewichte, Nadeln und Spinnwirtel.

Fundorte, die mit Erhaltung von textilem Material aufwarten können, bleiben rar. Noch nicht in vollem Umfang veröffentlicht sind die Ergebnisse aus Oldenburg i.H. Einen Überblick über die Gräber legten Ingo Gabriel und Thorsten Kempe 2011 vor. Details zu mineralisierten Spuren organischer Anhaftungen lassen sich im 2003 von Ingo Gabriel und Heidemarie Farke veröffentlichten Aufsatz nachlesen.

Grade für einen Hauptort wie Oldenburg in Holstein stellt sich die Frage nach der Übernahme von "Luxusprodukten" bei den lokalen Eliten. Die Stirnbinde (Vitta) aus Kindergrab 69 und die mutmaßliche Ärmelborte, hergestellt unter Verwendung von Goldlahnfäden westeuropäischen Typs[7], geben neben Bauresten wertvolle Indizien.

Dieser Problemaufriss scheinbarer Sicherheit der Wikingerbilder gegenüber den nebulösen Abbild ihrer Nachbarn in Ostholstein, Meckenburg-Vorpommern und weiteren angrenzenden Gebieten kann weder eine umfassenden Literatursammlung zur textilen Artefakten im westslawischen Siedlungsgebiet liefern, noch Lösungen auf dem Weg zu verlässlichen Bildern für beide Bereich anbieten. Tatsächlich kann jede Diskussion jedoch ein Anstoß zum Nachdenken sein - und ein kleines Stolpersteinchen (wir kennen in Ostholstein den berühmten "spitzen Stein") zum Umgang mit vorgefertigten Geschichtsbildern.

An den Schluss meiner Betrachtung möchte ich etwas Werbung setzen. Zum einen für die 2012 erschienen Veröffentlichung zur jungslawischen Feuchtbodensiedlung von Parchim-Löddingsee, Kr. Parchim mit einem Beitrag zu den Textilfunden an Anja Bartel. Hier findet sich eine vielzahlwertvoller Literaturhinweise für weiterführende eigene Recherche.

Zum anderen gibt es Werbung für die diesjährige Archäotechnika im Pauli-Kloster Brandenburg, die unter dem Motto "Deutsche und Slawen im Mittelalter" steht. Dort werde ich mit einem Textil-Infostand und Vorträgen zu Kostümen vertreten sein.




Mein Gestaltungsvorschlag für Oldenburg i.H. / Starigard um 1000. 
Foto aus 2011 (Ruine Kaiserwerth/Düsseldorf). Foto: Heinz-Peter Crumbach


Literatur:

Brather, S.: Archäologie der westlichen Slawen. Berlin/New York 2008 (2. Auflage).

Gabriel, I.: Hofkultur, HJeerwesen, Burghandwerk, Hauswirtschaft. In: Müller-Wille, M. Hrgs.: Starigard/Oldenburg Ein slawischer Herrschersitz des frühen Mittelalters in Ostholstein, Neumünster 1991 (181-250).

Gabriel, I. & Farke, H.: Mineralisierte Spuren organischer Auflagerungen an metallenen Beigaben des 10. Jahrhunderts von Oldenburg/Starigard in Holstein. In: Textilien aus Archäologie und Geschichte: Festschrrift für Klaus Tidow. Neumünster 2003, ( 165-17).

Gabriel, I. & Kempe, T.: Starigard/Oldenburg: Hauptburg der Slawen in Wagrien. VI Die Grabfunde: Einführung und archäologisches Material. Neumünster 2011.

Hägg, I.: Die Textilfunde aus dem Hafen von Haithabu, Neumünster 1984.

Heindel, I.: Riemen- und Gürtelteile im westslawischen Siedlungsgebiet. Berlin 1990.

Herrmann, J. (Hrsg.): Die Slawen in Deutschland: Ein Handbuch, Berlin 1970.

Müller, M.: Die Kleidung nach Quellen des frühen Mittelalters: Textilen und Mode von Karl dem Großen bis Heinrich II. Berlin/New York 2003.

Müller, D.: Schartorf: Eine slawische Burg in Ostholstein und ihr Umland. Neumünster 1990.

Müller-Wille, M. Hrgs.: Starigard/Oldenburg Ein slawischer Herrschersitz des frühen Mittelalters in Ostholstein, Neumünster 1991.

Naum, M.: Homelands lost and gained: Slavic migration and settlement on Bornholm in the early Middle Ages. Lund 2008.

Paddenberg, D.: Die Funde der jungslawischen Feuchtbodensiedlung von Parchim-Löddingsee, Kr. Parchim, Mecklenburg Vorpommern, Wiesbaden 2012.


[1] Hägg 1984, 11
[2] Hägg, 1984, 28
[3] Müller 2002, 66-71
[4] Herrmann, 1970, 3ff.
[5] Heindel 1990, 98.
[6] Meier 1990, Tafel 40.
[7] Gabriel 1991, 203.